7 Comments

  1. Manfred Walter

    Lieber Klaus!

    Auch ich bin Bechterew Patient, bei mir wurde er jedoch erst nach einer 10-jährigen Parkemed Karriere „entdeckt“ nachdem ich meinen Hausarzt wechselte. Und ja, man glaubt es kaum, mein Magen ist trotzdem noch gesund! Und ja – Du hast recht, am Bechterew ist noch niemand gestorben.

    Ich habe es mit vielen verschiedenen Methoden versucht diesem Hundling namens Bechterew Herr zu werden, aber ganz ohne mein „Enbrel“(Biologica) geht es nicht. Was bei mir funktioniert hat, ist eben grossteils vegetarisch ernähren, weniger rauchen und absolut keinen Weisswein oder Most mehr trinken. Ich habe zumindest den Spritzrhytmus des Biologicas von 7 Tagen auf 14 Tage verdoppeln können.

    Ich gratuliere Dir aus ganzem Herzen zu dem Erfolg den Du mit Deiner Diät erreicht hast. Und bin ihn Dir auch ein ganz klein wenig neidig. 😉 Leider ist diese, Deine Methode allerdings nicht bei Jedem/Jeder von Erfolg gekrönt!

    LG aus Linz

  2. Franz Ablinger

    Lieber Klaus,
    ja, generell werden zu viele Medikamente verordnet. Nein, nicht jeder Bechterew-Patient bekommt die sündteuren Biologicals. Es gibt für die Verordnung transparente Kriterien; sie sind nicht das erste Mittel der Wahl, auch nicht das zweite. Ein Arzt, der Biologicals wie Aspirin verschreibt ist mir nicht bekannt und könnte seine Approbation rasch verlieren. Manche vertragen sie nicht, anderen hilft es nicht. Aber vielen besonders schwer verlaufenden Fällen sind diese TNF-alpha-Blocker ein wahrer Segen. Der Verlauf der Einsteifung der Wirbelsäule kann damit dauerhaft eingebremst, manchmal sogar gestoppt werden. Die Betroffenen bleiben im normalen Leben, die Karriere als Frühpensionist bleibt ihnen erspart. Die Medikamente haben Risiken und Nebenwirkungen, aber die muss man in Relation zum Gewinn an Lebensqualität sehen. Und den Preis des Medikaments muss man in Relation zur Ersparnis für die Pensionsversicherung sehen…

    Umgekehrt: nur wenigen Bechterew-Betroffenen hilft die Anti-Starch-Diät. Manche Patienten berichten von wunderbarer Schmerzfreiheit, andere haben diese und alle anderen Diäten inklusive aller Kräuterlexika, schamanischer Riten, asiatischer und afrikanischer Heilkunst durchprobiert, völlig ohne jeden meß- oder fühlbaren Erfolg. Eines ist aber auch klar: ein Arzt in Österreich verschreibt lieber was, anstatt lange nach einer möglichen Lösung im individuellen Fall zu suchen. Dafür hat niemand die Zeit. Das muss man bei uns selbst machen. Gut, dass du einen für dich funktionierenden Weg gefunden hast! Du kannst ihn in der Gewissheit gehen, daß es noch etwas in der Hinterhand gibt, falls es irgendwann mal doch nicht mehr klappen sollte mit der Diät.

    So komplexe körpereigene Moleküle wie TNF-alpha-Blocker herstellen zu können, ist ein schieres Wunder. Grob vereinfacht werden dafür genetisch modifizierte Eizellen des chinesischen Hamsters verwendet, die das gewünschte Eiweiß produzieren. Die Kosten der ursprünglichen Medikamente waren für den gigantischen Aufwand, den man für diese Substanz treiben musste, gerechtfertigt. Sie sind etwa seit dem Jahr 2000 auf dem Markt. Seit etwa 2 Jahren ist der Patentschutz abgelaufen und die Kopien davon werden nun schon deutlich günstiger angeboten. Es kann natürlich sein, dass sich die Hersteller jetzt gegenseitig die Patienten abjagen – mir ist davon noch nichts bekannt, aber es wäre immerhin denkbar. Ist ja auch ein milliardenschwerer Markt.

    Ich sehe mich nun in der ungewohnten und ungeliebten Rolle, Produkte in Schutz nehmen zu müssen, die vielen Menschen – darunter auch mir – unglaublich viel Leid erspart haben. Ich persönlich laufe lieber herum anstatt im Rollstuhl zu sitzen. Und möchte vor allem anmerken: „sinnlos und gesundheitsschädlich“ ist eine Überspitzung, die keiner vernünftigen Betrachtung stand hält, aber die Debatte unnötig verwirrt.

    • Lieber Franz, danke für diesen informativen und differenzierenden Kommentar! Du hast mit vielem Recht und es war nicht meine Absicht die Wirkung von Pharmaprodukten für viele Patient_innen schlechtzureden. Meiner Wahrnehmung nach dürfte die Bechterew-Diät für so viele Menschen wirksam sein dass es zumindest erstaunlich ist wenn sich offenbar so gut wie alle auf Bechterew spezialisierten Ärzt_innen ebenso wie die wissenschaftliche Forschung hierzulande dieser Möglichkeit völlig verweigern. Und ich wage zu behaupten dass dies in einem engen Zusammenhang mit der Forschungsfinanzierung durch die Pharmaindustrie steht. Zumindest belegen das auch die zahlreichen Recherchen meines Kollegen Hans Weiss, der mit mir das „Schwarzbuch Markenfirmen“ geschrieben und dafür das Kapitel über Pharmafirmen verfasst hat – siehe etwa sein Buch „Gesunde Geschäfte“.

      • Franz Ablinger

        Lieber Klaus,

        danke für die guten Recherchen in deiner Arbeit – das Schwarzbuch Markenfirmen kann ich empfehlen! Einen Gedanken zu deinem Beitrag hier möchte ich noch ausführen: Nachdem ich den Weg gehen musste, die sündteuren Medikamente anzunehmen, habe ich mich seit der ersten Verordnung gefragt: Zahlt sich das aus? Und wie zahle ich das zurück?

        Abgerechnet wird am Lebensende. Frag die Bechterew-Patienten rund um dich: ein oder zwei getauschte Hüften waren vor der Einführung von Biologicals bei vielen der natürliche Lauf der Dinge. Zu den reinen OP-Kosten und denen für die Implantate darf man ein Jahr Reha + Verdienstentgang rechnen. Volkswirtschaftlich vielleicht günstiger mit Biologicals, vielleicht ein Nullsummenspiel. In jedem Fall deutlich weniger Leid für den Betroffenen.

        Jeden halbwegs wachen Menschen, der Leistungen aus unserem Sozialsystem bezieht, plagt die Frage: Wieso verdammt nochmal darf ich mich darauf verlassen, dass mir andere Menschen finanziell helfen? Wieso falle ich anderen zur Last? Wir haben uns im Österreich der Nachkriegszeit die gewaltige kulturelle Leistung erarbeitet, allen ein selbstverständliches Recht auf derartige Versicherungsleistungen gewähren zu können. Ein verbrieftes Recht, keine Gnade. Weil Krankheit kein Selbstverschulden ist, sondern Schicksal.

        Es macht einen Unterschied, ob mir jemand sagt: Kopf hoch, du tust mir leid. Da hast einen Euro. Oder ob sich eine Gemeinschaft entschließt, für unter ihren Mitgliedern sicher einmal auftretende Krankheiten schon mal was zurück zu legen. Auch wenn man nicht weiß, wen es trifft und wann. Ich für meinen Teil bin sehr dankbar dafür, dass mich das System aufgefangen hat, als ich angezählt war. Und mir dabei meine Würde gelassen hat. Das ist nicht selbstverständlich im weltweiten Vergleich. Es ist das Wesen einer Solidargemeinschaft, übermenschliche Lasten einzelner auf die Schultern vieler aufzuteilen. Und der Zufall entscheidet, ob du Nettoempfänger oder Nettozahler bist.

  3. Traurige und häufige Realität in unserer PharmaDiktatur !!! !!
    Ich müsste mittlerweile 15 Medikamente täglich für 5 Diagnosen einnehmen bzw. wäre längst daran gestorben !!! !!
    Beipacktext SINNerfassend lesen hat mir mein Leben gerettet !!! !!

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