39 Comments

  1. @fatmike: Selbstverständlich nicht. Rassismus ist: Es ist für alle WissenschafterInnen so, dass das Schliessen von genetischen und/oder phänotypischen Merkmalen auf Eigenschaften geistiger Natur oder Charakter oder kulturellen Eigenschaften Rassismus ist.

    Manche WissenschafterInnen inkludieren etwas mehr in die Erklrärung von Rassismus, das ist Cinar Dileks Aussage. Einige WissenschafterInnen beziehen weitere „Kategorien“ mit ein, wie Gender.

  2. fatmike182

    @ Sybil Amber
    ad Zitat Cinar 1999: 56 bleibt die Frage offen:
    kann von genetischen/phänotypischen Merkmalen auf die Qualität geistiger EIgenschaften in dem Zusammenhang mit Ethnien geschlossen werden? Da ich das nicht vermute halte ich das Zitat für sehr fragwürdig — sowie ich auch die Aussage mit der imraumstehenden Quantifizierung „einige Autoren“ (irgendwer wird sich schon finden lassen) für überholt halte.
    MEn war das Rassentheorie par excellence, hinkt aber in der Nachweisbarkeit extrem nach.

    as Wiedergutmachung/Öffentlichkeit
    Was die Debatte gezeigt hat war, dass sie keine der Öffentlichkeit war. Rassismus ist vllt in der Gesinnungsfrage eine demokratische (Wahlergebnisse als Spiegel der Gesellschaft), nicht aber in detailierten Einzelfällen.
    V.a. in Blogs hat man bemerken können: Nichtbetroffene nehmen sich ihr gutes Recht (/Courage) heraus & schreiben darüber wie unsensibel die Bevölkerung nicht ist. Nichtbetroffene Proponenten werden herzlich im Kreis empfangen, nichtbetroffene Kontrahenten mit dem billigen Argument „ihr seits ja nicht betroffen, ihr könnts das nicht beurteilen“ abgewürgt. Süße Ironie…
    Die Öffentlichkeit als solche fühlt sich kaum durch die Kampagne geschädigt, je weiter das also medial aufgedunsen wird, destomehr wird man vermutlich den Gegentrend einsetzen lassen.

  3. Sybil Amber

    Nein, ich meine es kann eben nicht passieren: Intellektuelle sind dann eben keine Intellektuellen. Menschen, die nicht im mitteleuropäischen Mainstream aufgewachsen sind, können das sicher nachvollziehen. Wenn Pflichtschulen ihre Erziehungsaufgaben im Sinne der Menschengesellschaft nicht erfüllen können, Eltern und soziales Umfeld ebenfalls eher schweigen, als ihren Kindern das Beste zu ermöglichen und zu schenken, hat das sehr wenig mit „Holschuld“ zu tun, denn diese wird wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Und kann daher auch nicht reflektiert werden.

    Es mangelt, wie ich durch meine Erfahrung deduzieren konnte, einfach am guten Willen zu handeln. Angefangen bei Schulbüchern, Liedern, die in der Schule „gelehrt“ werden, bis zu diesen M – Plakaten, den Bogen kann ich weit spannen. Es ist nicht legal Menschen zu diskriminieren, und Rassismen aller Art sind ein Mittel zur Diskriminierung aufgrund beabsichtigter psychischer, physischer oder ökonomischer Gewaltausübung – und deshalb auch nicht Teil der freien Meinungsäußerung.

    „Einige AutorInnen neigen dazu, nur dann von Rassismus zu sprechen, wenn von genetischen und biologischen Merkmalen auf die ‚Qualität’ der geistigen bzw. kulturellen Eigenschaften von Individuen oder sozialen Gruppen geschlossen wird“ (Cinar 1999: 56).

    Reflexion kann erst erfolgen, wenn Menschen dazu bereit sind so zu handeln und ihr Denken zu verändern. Davor braucht es Sensibilisierung und Mitgefühl für unsere Mitmenschen. Wenn weltweit agierende Konzerne investieren und, das ist ja auch kein Einzelfall, mit Absicht Plakate drucken lassen, ohne vorher darüber nachzudenken – empfinde ich eher Sprachlosigkeit ob der Ignoranz. Solche Kampagnen werden ja wochenlang, wenn nicht monatelang geplant, an „örtliche Bedürfnisse“ angepasst, etc.

    Die „Öffentlichkeit“ sollte da nicht mit Kritik sparen, sondern beispielsweise eine Wiedergutmachung einfordern. In allen geschehenen Fällen …

    Cinar, Dilek (1999) Alter Rassismus im neuen Europa? Anmerkungen zur Novität des Neo – Rassismus, In: Kossek, Brigitte (1999) Gegen – Rassismen. Konstruktionen – Interaktionen – Interventionen. Hamburg: Argument – Verlag, S. 55-72.

  4. Interessanter, radikaler Ansatz. Dennoch: „sprachlicher Rassismus ein Verbrechen“ weil gegen die Menschenwürde und damit nicht Meinungsäußerung? Ein entschiedenes Nein. Verbrechen sind in (fast) allen Rechtsordnungen Taten mit Vorsatz! Daher nach meinem Rechtsverständnis sicher kein Verbrechen. Die Meinungsfreiheit ist ebenso Menschenrecht und ein (meiner Ansicht nach) gleichrangiges Recht. Diese gegeneinander auf zu rechnen macht keinen Sinn.
    Meiner Ansicht nach schießt man hier weit übers Ziel hinaus und schafft kein konstruktives Klima. Die Kriminalisierungsrhetorik bringt eher das Gegenteil vom Gewünschten. Ein Reflexhaftes zurückziehen ins eingene Schneckenhaus.

  5. […] Warum ich Rassist bin Shared um 00:37 Uhr via Delicious FM4 verzeichnet mit seiner Berichterstattung über die neue Eskimo-Werbelinie “I will mohr” ein All-Time-High an Forumsbeiträgen. FM4-Autor Martin Blumenau erkennt darin eine “Flut von Postings, die gar nicht wirklich auf die Geschichte und das Gesagte reagieren, sondern auf ein sehr diffuses ‘Dahinter’”. Auch in der Blogosphäre und auf Twitter geht’s rund, und sogar der von mir gegründeten Facebook-Gruppe ”Stop racist Unilever-Campaign in Austria” mit immerhin 500 Mitgliedern in zwei Tagen treten Einzelne nur mit dem Ansinnen bei, das Gruppenanliegen zu delegitimieren. […]

  6. aschima

    @fatmike182:
    1. Ich glaub ich red von einer noch viel subtileren Beeinflussung der Wissenschaft durch Politik und Gesellschaft. Die Ebene die du ansprichst ist natürlich auch massiv: was wird finanziert? was nicht? welche Ergebnisse werden veröffentlicht, welche nicht
    Ich bin Medizinerin, eine Wissenschaft die sich zu den Naturwissenschaften zählt, und ich kann dir sagen was da z.B. in wissenschaftlichen medizinischen Lehrbüchern an Politik betrieben wird ist gigantisch! Und da red ich noch nicht von der Ebene Pharmafirmen: was wird finanziert? was nicht? was wird verheimlicht? was veröffentlicht? Nur auf rein sprachlicher Ebene, wenns drum geht was wird gesagt? was nicht? wie wird was gesagt?
    Nur ein Beispiel: Die Genderfrage: Warum ist die Gynäkologie anderen Fachrichtungen weit voraus in der Erkenntnis, dass auch psychische Vorgangen auswirkungen auf körperliche Krankheiten haben? Gibts Psychosomatik leicht nur in der Gynäkologie?
    Oder: Behandlung von immer wiederkehrenden plötzlichen Muskelkrämpfen (Dystonien): „In Einzelfällen kann eine Besserung durch Hirnelektrodenimplantation erzielt werden. Psychotherapie führt in den meisten Fällen zu keinen bleibenden Erfolgen.“ Bedeuten beide Sätze nicht das selbe? Halb volles und halb leeres Glas Wasser.
    Wenn das nicht Politik ist?! In diesem Fall: Chirurgie gegen Psychotherapie. Machtkampf. Politik. Geld.

    Ich weiß eh, das führt alles zu weit, vielleicht ists auch nicht verständlich aus dem Zusammenhang gerissen, aber ich glaub echt voll nicht an die unbeeinflusste nüchterne Wissenschaft. Wissenschaft setzt immer bereits eine bestimmte Auffassung von Natur und Naturgesetzen voraus. Wir haben uns für bestimmte Methoden entschieden und schließen damit andere Methoden der Erkenntnisgewinnung aus. Das verändert aber unsere Erkenntnisse. Und auch das ist eigentlich schon Politik.

    „Jemand, der nur über politisch gefärbte Blätter von Minderheiten erfährt, würde diese Denke kaum verinnerlichen wenn er persönliche Gegenbeispiele aufzeigen könnte.“

    2. Ich kann NATÜRLICH persönliche Gegenbeispiele aufzeigen, und hab dieses Denken trotzdem verinnerlicht. Meine persönlichen Gegenbeispiele bestätigen mir wahrscheinlich als Ausnahme die Regel!

  7. fatmike182

    @ aschima: Doch!!!!111111einselffff!!111
    Grundlagenforschung & co ist vllt für die Wirtschaft der Zukunft relevant, aber was zB das Higgs Boson für die politischen Gegebenheiten verspricht wüsste ich nicht, genauso wie ich mir über die Politik der biochemischen Prozesse in der Epigenetik noch im unklaren bin.
    Und auch wenn (wie vor Kurzem) Fragen auftauchen wie „Darf die Wissenschaft IQs verschiedener Ethnien erheben & in dem Zusammenhang vergleichen“ (was schon deswegen abstrus ist, da der IQ keine relevante Aussage hat) stellt man sich in der Wissenschaft diese nicht aus politischen Gründen sondern aus dem praktischen Grund, dass ein eventuell näherer Verwandtschaftsgrad genau für diese und jene Korrelation verantowrtlich sei.
    Nicht in jedem Land wird Wissenschaft wie in Ö von einigen wenigen Zentralstellen bezahlt, in GB gibts hunderte Stellen die Grants anbieten; von dem her kann da kein politischer Zusammenhang bestehen

    Das Potenzial dieser Diskussion (& imho bringts aschima auf den Punkt) liegt nicht zuletzt daran, dass es prozentuell wenige Schwarze in Österreich gibt. Jemand, der nur über politisch gefärbte Blätter von Minderheiten erfährt, würde diese Denke kaum verinnerlichen wenn er persönliche Gegenbeispiele aufzeigen könnte.
    In England, wo historisch bedingt ein größerer Anteil an Schwarzen lebt, ist mir deutlich weniger Alltagsrassismus aufgefallen — selbst trotz der Tatsache, dass in Vierteln mit hoher Kriminalität viele Schwarze wohnen.

  8. aschima

    @digiom
    wofür ich dreimal 10000 Anschläge brauch (ungefähr) und dann (oder gerade deshalb?) versteht mich hier immer noch niemand, bringst du ein einziges wunderschönes österreichisches Gelatine-Fettwanst-Schwabbelspeisen-Bild!
    Großartig! Danke!
    Bytheway, also ich wär gehörig angfressen auf die apolitische Tradition in dem Land!

  9. aschima

    @mathias:
    „Und welche konkreten Auswirkungen der Sprache auf unser Verhalten siehst du nun darin, dass wir einen Schokoladekuchen in spezifischer Kombination mit Schlagobers als “Mohr im Hemd” bezeichnen?“

    Es kommt mir ganz komisch vor das hiernochmal zu erklären, weil ich mirgarnicht vorstellen kannst dass du die Frage echt ernst meinst, aber ich werds jetzt mal wirklich ernsthaft versuchen:

    Es geht nicht darum, dass der Sprecher selbst im Moment des Aussprechens sich von der Intention her rassistisch verhält. Der will natürlich nur einen Schokokuchen mit Schlagobers. Aber du wirst nicht leugnen können, dass der Mohr im Hemd als „Witz“ auf die Assoziation mit einem Schwarzen im weißen Hemd anspielt. Ist ja nicht einfach nur eine zweite, vollkommen andere Bedeutung des Wortes „Mohr“. D.h. also das Wort „Mohr“ als herabwürdigende Bezeichnung für Schwarze wird saloonfähig gehalten je öfter wir es verwenden, egal ob in Zusammenhang mit einem Witz in Bezug auf einen Kuchen der in den Sprachgebrauch eingegangen ist oder wenn wir einem Schwarzen auf der Straße „Mohr“ hinterherrufen. Ich glaub sogar, dass ersteres sich subtil viel mehr in die Hirne der Menschen brennt als zweiteres, weil zweiteres wohl eher Unbehagen hervorrufen wird weil der Vorwurf des „Rassismus“ da offen läuft und viele sich zumindest denken werden „Kann man doch nicht machen!“. Wenn sie dann allerdings auf einen Kaffee gehen und sich einen Mohren im Hemd bestellen, dann fällt den meisten garnicht auf, dass sie indem sie das Wort scheinbar so harmlos verwenden es immer und immer wieder salonfähig machen.

    Und das konkrete „Verhalten“ das daran geknüpft ist: Wir werden weiterhin (wie ich das von mir kenne) Schwarze mit den Klischees aus der Kollonialzeit assoziieren, also bei mir der freundliche aber etwas dumme oder zumindest ungebildete schwarze Mann, der einen Diener vor uns macht, uns nicht wirklich versteht, weil er kein Wort unserer Sprache spricht oder wenn dann nur sehr gebrochen, und immer zu unseren Diensten steht.
    Das ist es was ich mit „Mohr“ verbinde, und das gefällt mir nicht und ich will versuchen dieses Wort nicht mehr zu verwenden. Auch nicht für eine schwarze Süßspeise.
    Unser heutiges Schwarzen-Klischee hat sich natürlich verändert. Was assoziierst denn du spontan zu einem Schwarzen in der U-Bahn? Ich einen Asylanten, natürlich ohne Job, der mich evt. anquatschen wird, dann gibts auch bei mir immer wieder mal die Drogendealerassoziation, und wenn er im Anzug ist dann eher der Uno-Mitarbeiter. Dazwischen nicht viel. Also „gebildet, ehrlich, eloquent, intellektuell“ sind sicher nicht meine ersten Assoziationen. Auch nicht „Student, Arzt oder Steuerberater“. Und woher glaubst du kommen diese Assoziationen? Ich kann dir versichern, nicht davon dass ich so viel mit schwarzen Dogendealern oder ungebildeten Asylanten zu tun hab! Das kommt weil Diskurse Wirklichkeiten schaffen. Und diese meine Stereotypenwirklichkeit sich in mir seit vielen Jahrzehnten verankert hat, weil ich Diskurse verfolge. Da möcht ich zumindest meinen kleinen Teil dazu beitragen eben diese durch Diskurse geschürten Stereotype zu verändern indem ich in den Diskursen an denen ich aktiv teilhabe anders mit Sprache umgehe.

    @fatmike 182: Glaubst du wirklich dass es die politisch unbeeinflusste und nüchterne Wissenschaft gibt???

  10. @Mathias Diese Kurzsichtigkeit tut weh:

    Dass der vielzitierte Zusammenhang zwischen Sprache und Realität nicht derart groß sein kann, belegt doch schon die Tatsache, dass “Mohr” eben nur noch im Zusammenhang mit der Mehlspeise und nicht etwa als Rufname für Schwarze verwendet wird – und ersteres mitnichten dezidiert in rechtsextrem-faschistischen Kreisen. …

    Meine Vermutung lautet ohnehin dahingehend, dass man sich den Mohr im Hemd weniger deshalb bestellt, weil man mal wieder seine Überlegenheit der schwarzen Rasse gegenüber zur Schau stellen will, sondern weil einem das Teil schlichtweg schmeckt. Aber mit der These des immer und überall verankerten Rassismus geht das ja leider nicht konform.

    Blogkommentare sind jetzt wahrhaftig kein Grundkurs in Diskurstheorie, und wenn ich dir jetzt sage, dass es hier nicht um Sapir-Whorf, sondern um die Zusammenhang von Diskurs und Praxis geht (weshalb man ja auch von diskursiver Praxis spricht), dann wirst du bestimmt auch nicht anfangen, deswegen Foucault zu lesen.

    Darum also die kurze Rückmeldung:

    In positivistischer Manier versuchst du dich auf das zurückzuziehen, was sich der Einzelne beim Verspeisen einer Mehlspeise denkt oder ob jemand das beanstandete Wort anders verwendet als im Bezug auf Mehlspeisen (ganz am Rande: weder das eine noch das andere könntest du empirisch je überprüfen).

    Worum es wirklich geht:

    Diese Diskussion zeigt, dass das Unternehmen ‚Eskimo‘ – ebenso wie viele Menschen in der Bevölkerung – nach wie vor keine Probleme damit haben, sich von sogenannten Rassemerkmalen ableitende Bezeichnungen z.B. für Produkte und Speisen zu verwenden, sogar auf deren Verwendung insistieren, indem sie auf einen eng definierten, ahistorisch betrachteten Sprechakt verweisen und sich weigern, irgendwelche Bezüge zur gesellschaftlichen Gesamtverfassung zuzulassen.

    Machen wir mal die Gegenprobe, denn man kann solchemaßen Eingefleischten nur wünschen, dass sie mal die Gelegenheit haben, irgendwo so ein Gericht wie ‚Österreichischer Fettwanst‘ vorgesetzt zu bekommen – ich stelle mir darunter eine bleiche Gelatineschwabbelspeise in Kugelform vor.

    Ist dann aber bestimmt nicht so gemeint, wird dann nur apolitische Tradition sein, nicht wahr? Und die Österreicher, die zu Gast sind in diesem Land, werden das bestimmt auch nur lustig finden.

  11. Corinna Milborn

    @ftamike182 weil die wissenschaftliche Beschäftigung mit Ethnien eben nie wertfrei war, hat sich das Institut auf der Uni Wien von „Ethnologie“ auf „Kultur- und Sozialanthropologie“ umbenannt. Ich könnts schon belegen, aber das sprengt nun wirklich den Rahmen hier 🙂

  12. Clara

    Ja, ich bin selbst Mitglied in der facebook-Gruppe, ja, ich finde selbst sehr richtig, was hier zusammengetragen wurde.
    Aber:
    Warum auf der anderen Seite mit ebenso hetzerischen Begriffen gearbeitet werden muss, wie hier mit der „Gratis-Schundzeitung Heute“, werde ich nie einsehen.
    Der damit zitierte Heute-Artikel bezieht keinerlei Position, ist ein reiner Tatsachenbericht, Aufreger sind auch hier „nur“ die Kommentare, die im Übrigen im Online-Standard üblicherweise um keinen Deut weniger heftig verlaufen.
    Nach allem was auch gesammelt wurde, geht es wohl immer wieder darum, sich bewusst zu machen, welche Begriffe man wann und unter welchen Begründungen wie einsetzt. Selbst dann aber keine Ausnahme zu bilden, und (überhaupt ohne dass die Heute hier explizit kritisiertes Thema ist) mit derartigen Hetz-Begriffen aufzufahren, ist auch nicht besser.
    Warum also ist das „notwendig“?

  13. fatmikq182

    @ Corinna Milborn
    Ich würde dir ja gerne zu 2. widersprechen, kanns aber nicht belegen 😉 (blöde Sache)
    In der Wissenschaft, auch in der politisch unbeeinflussten, beschäftigt man sich ja ebenfalls seit eh und je mit Ethnien. Die sprichwörtliche Nüchternheit der Wissenschaft wird sich auch urteilsfrei diesem Begriff bedient haben ohne damit unterlegener aber als Sklave geeigneter Submensch gemeint zu haben.
    Ich suche nach keiner Legitimation sondern die Antwort auf die Frage wieviel davon konnotiert ist.

  14. Walter Gröbchen

    Stereotypen vs. Stereotypen… Ein kühles Bier täte wohl allen gut 😉

  15. Corinna Milborn

    Lieber fatmike1082,

    Erste Frage: Nein, der Dialektbegriff „Murln“ bezieht sich auf Hautfarbe.

    Deine zweite Frage ist so ahistorisch, dass sie mir als Historikerin richtig weh tut. („wie war dann die neutrale Bezeichnung für Schwarze früher? Dann 100% der Menschheit den Rassenblödsinn geglaubt haben udgl. bezweifle ich stark“) – darum gehts ja: Wir verwenden Begriffe aus der Kolonialzeit, und zwar die Begriffe der Kolonialherren über die Eroberten. Es gibt innerhalb dieser Begriffe keine neutrale Bezeichnung. Deshalb ist es ja problematisch, sie weiter zu verwenden – wenn noch dazu die Herabwürdigung ebenfalls weitergeht (und darüber sind wir uns ja einig, denk ich.)

  16. 1. NATÜRLICH bestellen wir den Mohr im Hemd weil er uns schmeckt!!! NATÜRLICH wollen wir alle gut sein und nicht rassistisch und unsere Intention ist eine unschuldige! Das reicht aber nicht! Denn dein vielzitierter “echter Rassismus” mit dem wir uns viel eher beschäftigen sollten, wie du dauernd schreibst, wächst auf dem Boden den wir nähren wenn wir uns die Wirkung unserer Sprache nicht bewusst machen!!

    Und welche konkreten Auswirkungen der Sprache auf unser Verhalten siehst du nun darin, dass wir einen Schokoladekuchen in spezifischer Kombination mit Schlagobers als „Mohr im Hemd“ bezeichnen? Ein paar Beispiele mehr als das ewige Gefasel von der sprachlichen Beeinflussung (nicht mal die Sapir-Whorf-Hypothese geht so weit, höchstens noch Wittgensteins Sprachspiele) wären langsam angebracht. Die einzige Konsequenz, die sich aus dem behandelten Fall ergeben könnte, wäre, dass jemand ernsthaft Schwarze auf den Rang einer Mehlspeise hebt. Das ist aber schon zu absurd, um noch irgendwie plausibel zu sein.

    2. Ich glaube nicht, dass es darum geht die Menschen in die Guten (die Minderheit) und die Bösen (die Alltagsrassisten = alle anderen) zu teilen sondern eben genau IM GEGENTEIL zu sehen dass wir eben nicht entweder gut oder böse sind sondern alle, die wir uns ja prinzipiell für ziemlich oder eh recht gut halten auch “böse” Seiten in uns tragen, das aber nicht so schlimm ist solange wir uns das bewusst machen und wir eben dran “arbeiten”…
    Wir schillern alle in den prächtigsten Mischtönen! Niemand schwarz. Niemand weiß! (Oh sogar doppeldeutig…!)

    Wohl wahr, leider geht Lobos Kommentar in eine ganz andere Richtung, wonach die Mehrheit demütig jede Befindlichkeit einer bestimmten Minderheit nicht nur tolerieren, sondern vielmehr akzeptieren und reflektieren müsse, weil wir ja alle vorbelastet sind. Wie schon bei Bäck erwähnt, erinnert mich das mehr an die katholische Erbsünden-Lehre als an eine vernunftbasierte Herangehensweise. Wir sind alle Sünder, also tut Buße und hinterfragt nicht – ansonsten müsst ihr mit der verbalen Verbannung als Gotteslästerer rechnen!

  17. fatmike182

    @ Walter Gröbchen
    Da ich zumindest keine Ahnung habe, was du uns damit sagen möchstest, wäre ein Kommentar schon nett. Präsident Obama hat eine über Polizisten voreilig aber stereotypisch geurteilt, da er dachte, dass die Polizei stereotypisch gehandelt hat…

    Oder meinst du, dass Klaus Werner-Lobo alle, denen er das rechtsextrem/neonazi-Tag im Zusammenhang mit ihrem Vokabular aufgesetzt hat, auf ein Bier einladen soll? 😉

  18. fatmike182

    @ Corinna Milborn
    ad 1
    Murl war mir eher im Bezug auf Muslime ein Begriff.
    ad 2
    wie war dann die neutrale Bezeichnung für Schwarze früher? Dann 100% der Menschheit den Rassenblödsinn geglaubt haben udgl. bezweifle ich stark; ebenso, ob man ums 13. Jhdt schon an sowas wie Rassentheorien ernsthaft glaubte.

    zur Artikel selbst:
    Ich sehe die Notwendigkeit nicht, Leuten mit unsensiblerem Vokabular aber linkem Gedankengut die Begriffe rechtsextrem und neonazistisch quasi als Drohung anzuhängen; mMn wirklich entbehrlich das Godwin’s Law schon im Artikel selbst zu erfüllen.
    Aber ich stimme dir vollkommen zu, dass bei der Aufarbeitung einiges schief gelaufen ist; so war ich auch überrascht, dass viele das „wusste nicht, was dieses Wort heißt“-Argument hervorgezaubert haben. Welchen Verlust die Konservative hinnehmen muss, also was mit den (zurecht oder unrecht sei jetzt dahingestellt) Beschwichtigungen verteidigt wird ist selbstverständlich lächerlich: ein Produktname der pro Person ca 10x/Jahr gesagt wird. Daher vermute ich, dass schon lange nichtmehr über über diese Lächerlichkeit diskutiert wird, dass man einem traditionellem Begriff „beraubt“ wird, sondern schon mehrere Spiralwindungen darüber, dass man wirklich so leicht Aufsehen damit erregen kann (gepaart damit, dass Nichtbetroffene mit Nichtbetroffenen darüber diskutieren, wer sich nicht besser in die Situation der Betroffenen hineinversetzen kann und wo welche Grenze liegt; sich berufend auf die black community, welche lt Philipp Sonderegger „nicht homogen [ist] und auch keinen besonders hohen Organisationsgrad mehr auf[weist].“)

    Vor 2 Tagen hast du getweetet, dass du mit unilever telefoniert hast und anscheinend auch was erreicht hast. War das nicht auch Gerald Bäcks Einstellung zu dem Thema? Statt öffentlich hunderte blogs damit zu füttern gezielt und korrdiniert an den Verursacher heranzutreten?

    Die übergeordnete Frage des eigenen Rassistentums zu beantworten ist wachrüttelnd aber itüpfelreitend – der Mensch ist aus seiner Biologie heraus einer stereotypisierenden Wahrnehmung vertraut und passt sich ohnehin seinem Umfeld an.

  19. aschima

    ok, jetzt muss ich nochmal was anmerken, kanns nicht lassen:
    @ mathias:
    1. NATÜRLICH bestellen wir den Mohr im Hemd weil er uns schmeckt!!! NATÜRLICH wollen wir alle gut sein und nicht rassistisch und unsere Intention ist eine unschuldige! Das reicht aber nicht! Denn dein vielzitierter „echter Rassismus“ mit dem wir uns viel eher beschäftigen sollten, wie du dauernd schreibst, wächst auf dem Boden den wir nähren wenn wir uns die Wirkung unserer Sprache nicht bewusst machen!!

    2. Ich glaube nicht, dass es darum geht die Menschen in die Guten (die Minderheit) und die Bösen (die Alltagsrassisten = alle anderen) zu teilen sondern eben genau IM GEGENTEIL zu sehen dass wir eben nicht entweder gut oder böse sind sondern alle, die wir uns ja prinzipiell für ziemlich oder eh recht gut halten auch „böse“ Seiten in uns tragen, das aber nicht so schlimm ist solange wir uns das bewusst machen und wir eben dran „arbeiten“…
    Wir schillern alle in den prächtigsten Mischtönen! Niemand schwarz. Niemand weiß! (Oh sogar doppeldeutig…!)

  20. aschima

    Vielen Dank für den Beitrag, spricht mir aus der Seele. Möchte noch was anmerken was ich an anderer Stelle eh schon getan hab:
    Ich glaub wirklich es geht um einen Reflex, wenn man sich selbst bei eben dieser Erkenntnis, oder eher noch im Vorzimmer der Erkenntnis ertappt, doch RassistIn zu sein, mal ganz schnell und ganz laut diejenigen die einen drauf gebracht haben der i-Tüpfelreiterei, Humorlosigkeit und Pedanterie zu bezichtigen. Die (scheinbar) einzige Möglichkeit diese aufsteigende Erkenntnis schnell wieder runterzudrücken!
    Warum das so ist? Zum einen glaube ich hats schlicht und einfach etwas mit der Emotion „Scham“ zu tun, die sich ja wirklich schiach anfühlt und die – anders als Wut oder Traurigkeit – auch in unseren „aufgeklärten Zeiten“ noch nicht salonfähig geworden ist. (Wut und Trauer finden gerade langsam langsam Einzug in die Kinderbücher, dürfen ab und zu mal gefühlt werden, sogar auch von Buben…) Scham hingegen hat einen direkten Zusammenhang mit Schuld (zumindest zumeist?) und Schuld, und damit bin ich bei Punkt 2 meiner überlegten Ursachen, bringt uns ganz schnell ganz nahe an unsere (unaufgearbeitete) Geschichte – wie du eh schreibst – den Faschismus, den Kollonialismus (noch viel verdrängter?) etc.
    Und was das betrifft weiß doch jedes Kind: Wir sind nicht schuld! Wie sollten wir auch, wir begnadet spät Geborenen!?
    Nur… dort wo wir diesen uns innewohnenden Rassismus wahrnehmen würden, dort würden wir auch gleichzeitig die damit verbundene Scham spüren, und die Frage der geerbten Schuld würde sich von Neuem stellen…
    Also: Auch ich bin Rassistin!
    Schiach!

  21. @digiom: Dass der vielzitierte Zusammenhang zwischen Sprache und Realität nicht derart groß sein kann, belegt doch schon die Tatsache, dass „Mohr“ eben nur noch im Zusammenhang mit der Mehlspeise und nicht etwa als Rufname für Schwarze verwendet wird – und ersteres mitnichten dezidiert in rechtsextrem-faschistischen Kreisen. Es hat seine Richtigkeit, dass die Bezeichnung schwarzer Mitbürger als „Neger“ oder eben „Mohre“ in sehr weiten Kreisen verpönt ist – aber daraus muss man nicht schließen, dass „Mohr im Hemd“ so eine Art tolerierte Ersatzdiskriminierung ist.

    Meine Vermutung lautet ohnehin dahingehend, dass man sich den Mohr im Hemd weniger deshalb bestellt, weil man mal wieder seine Überlegenheit der schwarzen Rasse gegenüber zur Schau stellen will, sondern weil einem das Teil schlichtweg schmeckt. Aber mit der These des immer und überall verankerten Rassismus geht das ja leider nicht konform.

  22. Mir kommt es so vor, als sei dieser Kommentar folgendermaßen gemeint:
    Wir sind alle Rassisten. Eine ominöse „Struktur“ lässt uns von Geburt an rassistisch denken, auch wenn wir uns dessen selbst nicht bewusst sind und demzufolge ist es das einzig Richtige, dagegen anzukämpfen. Das geschieht allerdings nicht alleine dadurch, dass wir uns vor echtem Rassismus (Benachteiligung Andersfarbiger im öffentlichen Raum, rassistisch motivierte Gewalttaten etc.) distanzieren bzw. diesen gar bekämpfen, wir müssten uns demzufolge auch ständig für unseren unterschwelligen Rassismus entschuldigen bzw. diesen rechtfertigen. Das impliziert wiederum, jeden Betroffenheitshinweis als absolut anzuerkennen und bei dem Hinweis „Das ist rassistisch!“ eines sich benachteiligt Fühlenden sofort die Alarmglocken läuten zu lassen.
    Habe ich das richtig aufgefasst?

    Denn dann entsteht wiederum eine gesellschaftliche Struktur, in der jegliche – auch selbsternannte – Minderheit (du erwähnst schließlich auch Sexismus, Homophobie etc.) permanent einen Freifahrtsschein zur Maßregelung des Verhaltens und der Sprache der Mehrheit rein aufgrund ihres scheinbaren Opferstatus erhält, was letztendlich dazu führt, dass Einzelpersonen, sofern sie sich nur als betroffen genug äußern, das Wesen der großen Mehrheit formen und gestalten dürfen – da der Alltagsfaschist aufgrund seiner permanenten Entschuldigungsnot ohnehin nicht mehr mitreden darf.

    Das ist jetzt ein wenig überzeichnet (und ich würde auch nicht behaupten, dass so eine Struktur derzeit der Fall ist), nur führen derartige Unterwerfungsgebarden eben genau zu diesem Zustand. Das heißt im Gegenteil natürlich nicht, dass das Ignorieren sämtlicher Minderheitenbedürfnisse auch nur irgendetwas Gutes an sich hätte.
    Ich plädiere daher für einen Diskurs, in dem nicht schon von vorne herein die Fronten klar abgesteckt und die Teilnehmenden in „gut“ und „böse“ kategorisiert wurden: Hier die gute Minderheit, die alleine aufgrund ihres Minderheitenstatus moralische Überlegenheit besitzt, dort die böse Mehrheit, die aufgrund ihres Alltagsrassismus in jedem Fall kuschen muss. So etwas ist zum Erlangen eines Konsens wenig geeignet – und doch finden sich in der momentane Debatte genau diese Attribute, wenn die Meinung eines einzelnen Sprechers der Black Community (der sicherlich nicht für alle Mitglieder spricht) zu empörten Aufschreien führt, während die Kritiker desselben schnell ins Eck von Rechtsextremen und Neonazis gestellt werden.

  23. thxs.

    & Ergänzung zu Corinna Milborn:

    4. fände ich es sinnvoll, wenn wir uns die Mühe machten, die Entstehungszeit der österreichspezifischen, mehr als latent chauvinistischen intellektuellenfeindlichkeit zu rekonstruieren;
    mit ihren diversen formen des prinzipiellen absprechens der relevanz sozialwissenschaftlichen wissens,
    dem pauschalen „die gscheiten da oben“-stereotypisieren,
    der banal-dämlichen gegenüberstellung von „verkopften verzopften theoretikerInnen contra bodenständiges volk“,
    dem prinzipiellen ausschluss von interesse und neugier, was es zu sozialen alltagsphänomenen eigentlich zu wissen gäbe,
    mit der faulheit, die eigene schnelle sicht anzugreifen und sich selbst und die eigenen scheinbar sicheren wissensbestände zu prüfen,
    etc. etc. etc.

  24. Man habe da einen Rassismus (Sexismus, Misogynismus, etc…) verwendet, es wäre aber „nicht so gemeint“ gewesen.

    Fällt euch auch auf, wie häufig dieses vermeintliche Argument in letzter Zeit verwendet wird? Nicht zufällig begegnet es einem immer dort, wo jemand glaubt, Political Correctness sei „Gesinnungsterror“ – mir wird wirklich übel wenn man bedenkt, dass man solche Positionen mittlerweile vertreten und sich zugleich als aufgeklärteR IntellektuelleR begreifen darf.

    Der Zusammenhang zwischen Sprache und Realität scheint da nicht mehr wahrgenommen werden zu wollen, stattdessen geht der vermeintliche Individualismus und die dadurch bedingte Selbstüberschätzung soweit, dass man glaubt, die Sprache der Kolonialherren verwenden zu können, ohne die Verhältnisse die darin zum Ausdruck kommen, zu perpetuieren. Irre!

  25. was ich damit bezwecke? z.b. grenzen aufzuzeigen, weil beleidigung und herabwürdigung eben keine freie meinungsäußerung sind/sein sollten. und wer für menschen, die zu einem großen teil tagtäglich von diskriminierung und traumatisierung betroffen sind, sowas von überhaupt keinen respekt aufbringt der soll sich nicht ankacken wenn er für sein antisoziales verhalten mal eine vor den latz geknallt kriegt.

    danke auch corinna für deine wichtigen anmerkungen.

  26. Wenn es für dich nur DIE richtige Haltung einerseits, und Rechtsextremismus/Neonazismus andererseits gibt und du Humor nur weil er dir nicht gefällt und/oder politisch inkorrekt ist, quasi brandmarken (oder zensieren?) willst, dann erübrigt sich eh jede Diskussion. Wenn du meinst hier einen Pranger aufstellen zu müssen, in dem du Menschen weil sie nicht deiner Meinung sind als dem Rechtsextremismus/Neonazismus nahe beschimpfst, dann frage ich mich aber, was du damit bezweckst?

  27. Corinna Milborn

    Yes. Drei Ergänzungen zum Stand der Diskussion:
    1. Es stimmt nicht, dass das Wort „Mohr“ nicht verwendet wird – in der Dialektform „Murln“ ist es gebräuchlich, und das nicht nur am Land. Wer mit dunkler Hautfarbe in Österreich lebt ist mit dem Begriff bestens vertraut, und zwar leider fast durchwegs in Form von herabwürdigender und rassistischer Beschimpfung (die Mitleidsvariante gibt’s auch.) Insofern ist der Ausdruck „Mohr“ zumindest für die Betroffenen nicht veraltet, sondern Teil einer Realität.

    2. Es stimmt natürlich nicht, dass das Wort „Mohr“ historisch neutral war, und sie ist auch nicht auf die Heiligen Drei Könige beschränkt – ein paar historische Zitate, die die rassistische Verwendung schön belegen, sind in hier im „Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm“ online nachzulesen http://tr.im/ub51

    3. wäre es schön, wenn sich jemand die Mühe macht, die genaue Entstehungszeit der Bezeichnung „Mohr im Hemd“ herauszusuchen, dann wäre es auch einfacher, den Kontext nachzuzeichnen. Wer könnte das denn tun?

  28. Danke!!! werde die „zweifler in meinem bekanntenkreis, dies sich wegen der nachspeisentradition „ins hemd“ machen, gerne auf diesen blogeintrag verweisen und verlinken!

  29. Grandioser Kommentar. Man kann jetzt darüber nachdenken, wo die Grenzen des gerade-noch-akzeptablen liegen und wo nicht, aber: Wenn nicht die afrikanische Community das Recht hat, in Bezug auf die Anspielungen sensibel zu sein, wer dann? Ich gestehe, ich habe der Debatte als konsequenter Werbeverweigerer bisher so gut wie keine Aufmerksamkeit zukommen lassen. Auch weil ich andere Formen des hier üblichen Alltagsrassismus als wesentlich störender und dringender zu bekämpfen finde. Das soll die Debatte keineswegs objektiv verharmlosen, es soll nur meiner subjektiven Haltung Ausdruck verleihen (auch ich bin mir bewusst, tendenziell in einem rassistischen Umfeld sozialisiert worden zu sein). Und die bin ich langsam aber sicher mehr als gewillt zu überdenken. Übrigens auch sehr lesenswert die Kolumne von Michael Nikhbaksch im neuen profil.
    Ich werd diesen Eintrag mit Sicherheit im Lauf des Tages auf meinem Blog verlinken. Danke auf jeden Fall. Regt sehr zum Nachdenken an.

  30. lieber thomas, hab den falschen beitrag in deinem blog verlinkt, soeben korrigiert. das und auch http://twitter.com/quitzlipochtli/status/2815890740 halte ich eben für halbwitzige delegitimierungsversuche, die letztendlich in die selbe kerbe schlagen wie man das eigentlich von rechtsextremen gewohnt ist. und weil ich das doofe gutmenschenbashing (übrigens ebenfalls ein mutmaßliches naziwort, siehe mein link oben) nicht mehr hören kann und du ja nicht der einzige linksliberale bist der sich da in den letzten tagen einen spaß auf kosten betroffener macht erlaube ich mir halt drauf hinzuweisen wie nahe diese witzeleien bei denen der rechtsextremen sind.

  31. Ich muss das DÖW in Schutz nehmen, ich bin lediglich Mitglied des Fördervereins, die Aktivität beschränkt sich auf Zahlschein ausfüllen. Aber du hast recht, in meinem ersten Eintrag habe ich mich zu einer Polemik hinreißen lassen, die meine Intention verschleiert. Wo ich aber im von dir verlinkten Beitrag witzle, würd ich schon gern wissen. Das du mich aber in die Nähe von Neonazis rückst, spricht entweder dafür dass du nicht gelesen hast was ich geschrieben habe, sondern einfach nach dem Motto „Ist nicht meiner Meinung, muss einer von den Bösen sein“ gruppierst oder bewusst beleidigst. Ich würde niemals eine super Sache wie „der braune mob“ in den Dreck ziehen. Ich habe nirgends geschrieben dass ich „Mohr im Hemd“ nicht rassistisch finde, sondern nur dass diese Position nicht mehrheitsfähig und nicht rassistisch gemeint ist. Das ändert überhaupt nichts daran wie das Wort „Mohr“ belastet ist und dass sich Schwarze Menschen zurecht beleidigt fühlen. Ich finde es nur irrational hier in eine Hysterie zu verfallen, während täglicher Alltagsrassismus furchterregende Formen annimmt. Was ich kritisiere und angreife ist „meine“ Linke, die Gutmenschen wie ich einer bin. Jetzt ist es fast drei Uhr morgens, deshalb mal aus…

  32. jo eh. irgendwas zwischen bloodshed und österreichischer konfliktfeindlichkeit wär vielleicht angesagt. die ursachen für die segregation seh ich aber woanders, nämlich in der exklusion. oder, wie es bill clinton formuliert hätte: it’s the economy, stupid.

  33. Walter Gröbchen

    “In Amercia people tend to solve problems with major forms of violence. There would probably be very little discussion. There would be a bloodshed.”

    Halte ich übrigens auch nicht gerade für die optimale Kommunikations- und Diskussions-Kultur. In Amerika haben wir weitgehende Segregation – eventuell eine Folge davon? (okay, Obama ist ein positives Signal)

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